Sacra di San Michele

Text von Ursula von den Driesch

Heute besuchen wir eine Festungskirche oder Kirchenfestung. Die Sacra di San Michele, westlich von Turin im Susatal gelegen, gilt als das Symbol der Region Piemont.

Sacra bedeutet geweiht und kommt von dem Wort consacrata. Es gibt in Europa mehrere Michaels Heiligtümer, durch persische Mönche wurde der Kult in Europa verbreitet. In Großbritannien, in Frankreich und zwei in Italien: Gargano und die Sacra in Piemont.

Der Bau gilt auch als die Wächterin des Susatals – kein Wunder: Das Susatal führt über Pässe nach Westen nach Frankreich, eine wichtige Verbindung schon in der Römerzeit. Merken Sie sich ganz einfach: Um das Jahr 1000 entstanden und auf circa 1000 m Höhe wie ein Adlerhorst an und auf den Felsen gekrallt bietet der Komplex der Sacra di San Michele Geschichte und Geschichten. So diejenige von der hübschen Alda, die, um Leib und Seele vor den Angriffen lüsterner Soldateska zu schützen, ins Tal sprang. Der Erzengel Michael flog eilends herbei, fing den stürzenden Körper auf und rettete so die Holde. Die Geschichte hat noch ein zweites Kapitel, doch ich will nicht alles verraten.

Die Sacra di San Michele ist einer der größten Baukomplexe in Europa aus der Romanik. Im 11. Jahrhundert entwickelte sich das antike Kloster, ab dem 12. Jahrhundert die heutige dreischiffige Basilika mit einer wunderbar gestalteten Apsis. Folgen Sie der Totentreppe mit den einmaligen Steinmetzarbeiten des Meisters Nicolo vom Anfang des 12. Jahrhunderts. Die unglaublich fein gearbeiteten Kapitelle erzählen uns, was wir tun sollen und was wir lassen sollen, bevor wir als Pilger diese Kirche betreten. Langsam wurde die Sacra so bedeutend, dass sie zu einer wahren militärischen Festung ausgebaut wurde, immer auf einem Felssporn auf 1000 m Höhe. Aus Platzmangel baute man erfinderisch in die Höhe. Stellen Sie sich einen wuchtigen Bau auf einem Felssporn vor, der schichtmäßig verschiedene Epochen und verschiedene Funktionen umfasst. Ein Klostergebäude beansprucht in der Regel viel Platz – eigentlich baut man in die Fläche. Doch Kreuzgang, Pilgerhospiz, Schlafstätten der Mönche, Kirche – das ist hier alles übereinander gebaut. Es gibt noch viel zu entdecken, zu erzählen.

Bis demnächst an gleicher Stelle,
Ursula

Ursula von den Driesch

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